Trockene und feuchte Makuladegeneration: Was ist der Unterschied?
- wbuehl9
- 17. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine der häufigsten Ursachen für Sehverlust im höheren Lebensalter. In Österreich sind schätzungsweise mehrere hunderttausend Menschen betroffen — viele davon wissen es noch gar nicht. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Erkrankung, und was unterscheidet die trockene von der feuchten Form?
Was ist die Makula?
Die Makula ist der zentrale Bereich der Netzhaut und für das scharfe Sehen verantwortlich. Sie ermöglicht uns, Gesichter zu erkennen, zu lesen und Details wahrzunehmen. Wenn dieser Bereich geschädigt wird, leidet zuerst das zentrale Sehen — das periphere (seitliche) Sehen bleibt hingegen meist erhalten.
Die trockene AMD — die häufigere Form
Etwa 85–90 % aller AMD-Fälle sind trockene AMD. Sie entsteht durch eine langsame Alterung und den allmählichen Abbau der Netzhautzellen im Bereich der Makula. Charakteristisch sind sogenannte Drusen — kleine Ablagerungen unter der Netzhaut — die sich im Laufe der Zeit ansammeln.
Typische Beschwerden:
Verschwommenes oder unschärferes Sehen in der Mitte des Gesichtsfeldes
Farben wirken matter oder blasser
Schwierigkeiten beim Lesen, besonders bei schlechter Beleuchtung
Die trockene AMD schreitet in der Regel langsam voran — über Monate oder Jahre. In einem fortgeschrittenen Stadium kann sie zur sogenannten geographischen Atrophie führen, bei der größere Bereiche der Netzhaut unwiederbringlich absterben.
Derzeit gibt es für die Frühstadien der trockenen AMD keine heilende Therapie. Für die fortgeschrittene Form (geographische Atrophie) stehen seit Kurzem jedoch erste zugelassene Medikamente zur Verfügung, die das Fortschreiten verlangsamen können. Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel (sogenannte AREDS-Vitaminpräparate) können bei mittelschwerer AMD das Risiko einer Verschlechterung ebenfalls reduzieren.
Die feuchte AMD — die gefährlichere Form
Die feuchte AMD ist seltener, aber deutlich aggressiver. Hier wachsen neu gebildete, krankhafte Blutgefäße unter die Netzhaut ein. Diese Gefäße sind fragil und undicht — sie können Flüssigkeit oder Blut in die Netzhaut abgeben und so rasch zu schwerem Sehverlust führen.
Typische Beschwerden:
Plötzliches oder rasch zunehmendes Verschwommensehen
Verzerrtsehen (gerade Linien wirken gewellt oder verbogen — sogenannte Metamorphopsie)
Ein dunkler oder grauer Fleck im Zentrum des Sehfeldes
Die feuchte AMD ist ein augenärztlicher Notfall: Bei plötzlichem Verzerrtsehen sollte umgehend ein Facharzt aufgesucht werden, da jeder Tag zählt.
Wie wird die feuchte AMD behandelt?
Die gute Nachricht: Die feuchte AMD ist heute gut behandelbar. Die wichtigste Therapie sind intravitreale Injektionen — kurz IVOM — bei denen ein Medikament direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt wird. Diese sogenannten Anti-VEGF-Präparate hemmen das Wachstum der krankhaften Blutgefäße und können in vielen Fällen nicht nur das Fortschreiten stoppen, sondern das Sehvermögen auch verbessern.
Die Injektionen klingen beängstigend, sind aber in der Praxis gut verträglich und nahezu schmerzfrei — sie werden unter sterilen Bedingungen und mit lokaler Betäubung durchgeführt.
Wann zum Arzt?
Grundsätzlich gilt: Je früher eine AMD erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Folgende Warnsignale sollten Sie ernst nehmen und zeitnah abklären lassen:
Verschwommenes oder verzerrtes Sehen
Gerade Linien erscheinen wellig (z. B. Türrahmen, Kacheln)
Ein dunkler Fleck im zentralen Sehfeld
Ein einfacher Selbsttest ist das Amsler-Gitter — ein kariertes Muster, mit dem Sie Ihr zentrales Sehfeld täglich selbst überprüfen können. Fragen Sie Ihren Augenarzt danach.
Bei Fragen zur Makuladegeneration oder wenn Sie Beschwerden bemerken, stehen wir Ihnen in unserer Ordination gerne zur Verfügung. Eine frühzeitige Untersuchung kann entscheidend sein.

Kommentare